Interview: Via Knochenmarkspende zum Lebensretter – der ASTech’ler Felix erzählt

Gaimersheim – Im Rahmen der von der ASTech gemeinsam mit der Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) veranstalteten Typisierungsaktion ließen sich im Februar 2019 insgesamt 65 ASTech’ler typisieren. Schon drei Monate später bekam einer von ihnen, Felix, einen Anruf. Sein „genetischer Zwilling“ sei erkrankt und er kommt als Knochenmarkspender in Frage. Nach umfangreichen (Vor-)Untersuchungen stand Anfang August fest, dass Felix am 21. August zum Lebensretter wird.
Wir sind beeindruckt von seinem Mut und seiner Hilfsbereitschaft und haben ihn daher zu einem Gespräch eingeladen. Im
Interview erzählt er offen und detailliert, wie die gesamte Vorbereitung und die Operation liefen, was seine Motivation war und was er aus der gesamten Aktion gelernt und mitgenommen hat.

Redaktion: Du hast Dich im Februar 2019 im Rahmen der ASTech-Aktion bei der AKB typisieren lassen. Wann hat man Dich angerufen, um zu sagen, dass Du für eine Knochenmarkspende in Frage kommst?
Felix:
Am 28. Mai, also genau drei Monate nach meiner Typisierung, hat man mich telefonisch informiert, dass es möglich ist, dass ich ein potenzieller Stammzellspender bin. So musste ich zunächst zum Hausarzt gehen und gemäß der Vorgaben der AKB ein erweitertes Blutbild machen lassen. Mittels diesem wurden die so genannten HLA-Merkmale bestimmt, die es braucht, um herauszufinden, ob eine Stammzelltransplantation möglich ist. Die Chance liegt hier übrigens bei 1:1.000.000. Ein Treffer ist also buchstäblich der Fund der berühmten Nadel im Heuhaufen.

Wie ging es danach weiter?
Felix: Da die Ergebnisse des erweiterten Blutbildes gut aussahen, bekam ich im Juli die Information, dass ich tatsächlich der „genetische Zwilling“ für eine erkrankte Person bin. Damit einher ging die (wiederholte) Frage, ob ich zu einer Knochenmarkspende bereit sei und da ich dies bejaht habe, wurde ich zur Voruntersuchung am 7. August in Gauting eingeladen. Diese beinhaltete eine sieben-stündige allumfassende Untersuchung mit Blutentnahme, Röntgen, Ruhe-EKG, Ultraschall aller Organe, Checks auf infektiöse Krankheiten, etc. sowie ein intensives Aufklärungs- und Narkosegespräch und ein exakter Zeitplan zum genauen Ablauf der Knochenmarkspende. Jetzt hab ich Schwarz auf Weiß, dass ich rundum gesund bin.

Wann fand die Operation statt und wie lief diese genau ab?
Felix:
Nach der erfolgreichen Auswertung aller meiner Untersuchungsergebnisse hat die AKB am 13. August die Freigabe erteilt. Nach meiner Zusage wurde der Empfänger für die Knochenmarkspende konditioniert. Das heißt, dass seine Chemotherapie auf ein Maximum hochgestellt und sein eigenes Immunsystem quasi komplett „platt“ und für die Transplantation empfangsbereit gemacht wurde. Eine Woche später, am 21. August, fand letztlich die Operation bei mir und einen Tag danach die Transfusion meines Knochenmarks für den Empfänger statt.
Ich bin also am Vortag, am 20. August, nach Gauting gefahren und in der Klinik eingecheckt. Nach erneuten Untersuchungen und den allerletzten Kontrollen wurde ich schließlich am 21. August um 10.30 Uhr in den OP-Saal geschoben. Hier hat man bei mir vier Punktionen vorgenommen. Mit einer Kanüle ist man durch den Gesäßmuskel und den Knochen gegangen und hat insgesamt einen Liter Knochenmark, die Flüssigkeit, die sich im Inneren des Knochens befindet, entnommen. Das hat eine Stunde gedauert. Als ich am frühen Nachmittag aus der Narkose aufgewacht bin, lag ich mit den punktierten Stellen auf sandgefüllten Säcken. Auf diese Weise gibt es einen Druck auf die Einstichstellen, so dass die Blutungen gestoppt werden. Während all dem wurde ich natürlich engmaschig versorgt und betreut. Das war top. Als ich um 17.30 Uhr das erste Mal – mit Unterstützung des Krankenpflegers – aufstehen durfte, war ich noch super wackelig auf den Beinen. So muss sich vermutlich eine frisch geborene Giraffe fühlen. Aber auch das ging schnell vorüber und bereits am Tag danach, am 22. August wurde ich aus der Klinik entlassen und meine Freundin hat mich heimgefahren.

Wie lange warst du somit „off“ bzw. nicht im Büro?
Felix:
Insgesamt waren es nur vier Tage. Das hängt immer davon ab, wie man sich selbst fühlt. Ich war schon nach kurzer Zeit wieder fit und habe entschieden, dass ich wieder in die Arbeit gehen kann und möchte. Für mich hat es sich gut angefühlt, dass ich mich bewege.

Wer trägt die Kosten für das gesamte Prozedere?
Felix:
Die Kosten für die Gewinnung der Stammzellen und für die Transplantation der Patienten werden von den Krankenkassen getragen. Das Vorhalten des Spenderpools liegt jedoch allein in der Hand der Stiftung AKB. Sie versucht unablässig, z.B. in Typisierungsaktionen, neue Stammzellspender zu finden, um den Wegfall von Spendern aus Altersgründen oder wegen Krankheit auszugleichen und um die Anzahl an Spendern insgesamt weiter zu steigern. Allerdings können die dafür anfallenden enormen Registrierungskosten nur aus Geldspenden finanziert werden, da diese weder die Krankenkassen noch der Staat tragen.
Zum Glück gibt es Firmen wie die ASTech. Sie hat ja im Februar eine große Typisierungsaktion in ihren Räumlichkeiten veranstaltet und uns Mitarbeiter dazu eingeladen und animiert. Parallel hat sie der AKB mitarbeiter- und unternehmensinitiiert eine Spende in Höhe von 10.000,-€ übergeben. Als es dann darum ging, wer die Kosten für meinen Verdienstausfall trägt, haben unser Geschäftsführer und unsere Personalleiterin sofort reagiert. Ohne lange zu diskutieren, haben sie sich bereit erklärt, dass die ASTech diese Summe übernimmt und die AKB somit ein ganzes Stück entlastet.

Wie geht es jetzt weiter?
Felix:
Nach der OP wurde das Präparat, also mein entnommenes Knochenmark, seitens der AKB aufbereitet und mit flüssigem Stickstoff auf -193 Grad heruntergekühlt. Damit war es transportierbar und wurde – in meinem Fall – zum Empfänger ausgeflogen, der es am 22. August transplantiert bekommen hat. Nun heißt es: drei Monate lang abwarten, wie die Therapie bei ihm anschlägt.

Weißt Du etwas über den Empfänger? Würdest Du ihn gerne kennenlernen?
Felix:
Die Spende läuft komplett anonym ab. Ich weiß nur, dass es sich wohl um einen Jungen handelt, der aus der EU kommt. Drei Monate nach der OP bekomme ich aber die Information, wie diese gelaufen ist und ob schon erste Erfolge zu verzeichnen sind. Erst nach einem Jahr können wir, wenn das von beiden Seiten gewünscht ist, anonym Brief-Kontakt via AKB zueinander aufnehmen. Das werde ich natürlich tun. Schließlich möchte ich meinen „genetischen Zwilling“ eines Tages sofern es möglich ist persönlich kennenlernen.

Musstest Du lange überlegen, ob Du die Knochenmarkspende machst?
Felix:
Für mich selbst musste ich da nicht lange drüber nachdenken. Aber ich habe das dennoch in Ruhe mit meinen nahen Angehörigen besprochen. Zum Glück bin ich hier auf sehr viel Unterstützung und positive Einstellung zum Thema gestoßen. Das hat mir die Entscheidung deutlich leichter gemacht.

Was war/ist Deine Motivation dahinter?
Felix:
Ich arbeite im Bereich Fahrzeugsicherheit. Meine Aufgabe ist es, Fahrzeuge von morgen sicherer zu machen und so Menschenleben zu retten. Ich habe also schon mal eine grundsätzliche Einstellung zu diesem Thema und sehe mich diesbezüglich in der Verantwortung. Somit habe ich abgewogen: Mein Risiko, was ich durch eine solche OP eingehe vs. das Risiko, was die erkrankte Person hat, wenn ich nicht spende. Nämlich, dass sie stirbt, wenn ich – als „genetischer Zwilling“ – aus Angst oder Bedenken einen Rückzieher mache. Damit war die Entscheidung getroffen.

Gibt es noch Etwas, was Du loswerden möchtest?
Felix:
Seit dem ersten Anruf habe ich mich viel mit der gesamten Thematik beschäftigt. Ich habe gelernt, dass es bei einer Knochenmarkspende nicht nur auf das Knochenmark an sich ankommt, sondern dass auch viel Blut benötigt wird, weil eine Blutzugabe erfolgt. Wenn sich Jemand nicht traut, sich als Knochenmarkspender zu registrieren, dann kann er aber seinen Beitrag leisten, indem er Blut beim Blutspende-Dienst vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) bzw. beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) spendet. Und das ist nun wirklich nicht schwierig.
Mich hat die Arbeit der AKB beeindruckt. Als Spender wird man absolut super behandelt. Die Aufklärung, die die AKB betreibt, ist sehr gut, sehr realistisch. Sie machen Einem keine Angst, aber sie beschönigen nichts. Alles ist exakt so eingetreten, wie es mir vorher erklärt wurde. Daher würde ich – wenn ich erneut gefragt würde – auch jederzeit wieder aktiv werden und spenden.
Was ich zudem an dieser Stelle betonen möchte, ist, dass ich froh bin, bei der ASTech zu arbeiten. Die ASTech stellt sich als Mittelständler ihrer unternehmerischen Verantwortung. Sie hat das Thema Knochenmarkspende in diesem Jahr pro-aktiv aufgegriffen, indem sie ein Typisierungsevent angeboten und die AKB mit einer großen Spende unterstützt hat. In diesem Zusammenhang habe ich mich auch endlich typisieren lassen. Das wollte ich schon lange machen. Da kam dann der Trigger quasi in meine Mailbox in Form einer Outlook-Einladung. Einfacher geht es nicht. Und als es soweit war, ist die ASTech auch den konsequenten zweiten Schritt gegangen, hat mich von Anfang an unterstützt und sich bereit erklärt, dass sie die Kosten für meinen Verdienstausfall trägt. Das ist stark!

Zurück zur Übersicht

Im Interview mit der ASTech erzählt Felix, wie er zum Knochenmarkspender und damit zum Lebensretter wurde - eine spannende Geschichte.